Schlagwort-Archiv: Black Metal Kommando Karlsruhe

„Totenweihe“ – NSBM-Szene veranstaltet Konzert in Mühlacker

Eine ganze Weile war es still um sie geworden, doch jetzt meldet sich der Blackmetal Untergrund aus Baden-Württemberg mit dem Slogan „Support the Underground“ zurück und lädt am 14.04. zu einem Konzert in Enzberg bei Mühlacker. Es ist eine Subkultur, in der sich auch Neonazis und andere Rechte wohlfühlen können, denn in der Vergangenheit mangelte es in der Szene oftmals an klarer Distanzierung und Abgrenzung zum Spektrum des sog. „NSBM„, dem „National Socialist Blackmetal„. Bei der Veranstaltung in Mühlacker sollen neben den Kapellen „TARDIGRADA„, „Pesttyrann“ und „Wintergeist“ auch „Wacht“ aus der Schweiz und „FLAK“ aus Karlsruhe auftreten. Zwei Bands, die mit ihrem Auftreten unmissverständlich ihre Zugehörigkeit zum NSBM-Umfeld suggerieren.

 

„It will not be desecrated Jewish graves remain“

Einer der Organisatoren der Veranstaltung ist Christopher Göckel aus Hambrücken (Schauinslandstr. 9, 76707 Hambrücken), der sich schon seit seiner frühen Jugend im Kreise der NS- und NSBM-Szene in Baden-Württemberg bewegt und u.a Kontakt zum Nazi-Kader „Pablo Allgeier“ pflegte.

Göckel ist mittlerweile als Bassist für die Band „F41.0“ aktiv und war zuvor Gitarrist für die Band „Brocken Moon„. Einige Mitglieder der mittlerweile aufgelösten Band haben sich 2004 – laut Insiderinformationen – in der Szene damit gebrüstet, einen jüdischen Friedhof in Bruchsal und Obergrombach geschändet zu haben. Da die Täter im scheinbar vertrauten Kreis mit ihrer Aktion nicht nur auf Zustimmung stießen, landete einer der beiden Fälle 2005 auf dem Schreibtisch der Abteilung des Staatsschutzes in Karlsruhe. Das Verfahren vor dem Amtsgericht Bruchsal verlief allerdings in Ermangelung an Beweismitteln im Sande, die beiden Täter: Thorsten Helmut Schmidt („Humanhater“) aus Bruchsal (Franz-Siegel-Straße 10) und Johannes Magnus Gack („Fafnir“) aus Oberhausen-Rheinhausen mussten sich bis heute nicht dafür verantworten.

 FLAK & Wintergeist

Am heutigen Samstag soll auch die Band „FLAK“ auftreten, die laut eigenen Angaben 2014 auf einem Grillfest des „Black Metal Kommando Karlsruhe“ (BMKKA) entstanden ist und aus dem Gitarristen „Wintersonne“, dem Schlagzeuger „Seelenbrand“ und dem Vokalisten „Adraas“ besteht. Der Schlagzeuger, der eigentlich auf den bürgerlichen Namen Daniel Kroner hört, ist außerdem der Begründer des Labels „Seelenbrand-Records„. Er spielt gemeinsam mit seinem Band-Kollegen „Wintersonne“ ebenfalls in der Band „Wintergeist„, die am selben Abend ersatzweise für die Band „F41.0“ auftreten wird, welche zuvor kurzfristig abgesagt hat. Bei den Bands „Wintergeist“ und „FLAK“ handelt es sich also bis auf den Frontsänger um die selbe Besetzung, auch wenn sich die Bands „thematisch extrem unterscheiden“, wie sie in einem Interview selbst von sich behaupten. Das Debüt-Release von FLAK, „Eiserne Legion“, wurde nicht nur durch Kroner’s Label „Seelenbrand-Records“, sondern auch durch das Label „Worship Tapes“ aus Sachsen vertrieben. Hinter „Worship Tapes“ verbirgt sich Tobias Weissflog (St.Georgenplatz 4, 08289 Schneeberg), der über sein Label auch Tonträger anderer NSBM-Bands, wie z.B „Stahlfront“, „Wehrhammer“ oder „Todfeind“ vermarktet – um nur einige Beispiele zu nennen.

Das Album „Eiserne Legion“ von FLAK, für Werbezwecke mit einem Koppelschloss der Wehrmacht in Szene gesetzt – mit nachträglich retuschiertem Hakenkreuz

 

WACHT, Menegroth, Freitod – Eidgenossen unterm Hakenkreuz

Neben „Tardigrada“ aus Zürich bzw. Basel soll auch die Band „WACHT“ aus dem Kanton Graubünden in Mühlacker-Enzberg spielen. Der Sänger der Band, „Steynsberg“, trat in der Vergangenheit neben „Menegroth“ auch für die Band „Freitod“ auf. Das Demo-Tape „Black Metal Holocaust“ von „Freitod“, welches 2006 veröffentlicht wurde, beginnt mit dem Lied „Vernichtung der Pest niederer Rassen„. Auch der 2004 veröffentlichte Tonträger der Band, „Support the Holocaust Against Humanity„, winkt mit einer limitierten Stückzahl von symbolträchtigen „88“ Kopien mit dem nationalsozialistischen Zaunpfahl.

WACHT und Freitod veräußern ihre Werke jeweils über das NSBM-Label „BergStolz“ von Lukas Surbeck aus Hinwil in der Schweiz, welches einen extremen Antisemitismus verkörpert, der sich nicht zuletzt durch die Auswahl ihrer Bands wiederspiegelt. So profitiert das Label zum Beispiel durch den Verkauf von CD’s und Merchandise der Bands „Absurd„, „Eisenwinter“ und „Rostorchester„. Der Gitarrist von Rostorchester, „Antimessia“, stellt außerdem das gesamte Personal der Band „Totale Vernichtung„, die auf ihrem 2006 veröffentlichten Demo-Tape, „Massenmord an Untermenschen„, Lieder besingen, die den Namen „Auschwitz wurde nicht an einem Tag erbaut“ oder „Alle Wege führen nach Ausschwitz“ tragen.

Auch wenn sich in den Liedtexten von WACHT keine überführenden Textpassagen finden lassen, tragen sie mit der Kooperation mit „BergStolz“ zum Erstarken des NSBM-Umfelds in der Blackmetal Szene bei und vermitteln mit der verwendeten Szene-Codierung auf subtile Art und Weise ihre Sympathie und Zugehörigkeit zu diesem. Zumal ihr Frontsänger Teil mehrerer NSBM-Bands ist oder war.

Freitod – „N.S. Occult Metal“

Blackmetal unter Generalverdacht zu stellen wäre falsch

Grundsätzlich sind Misanthropie und Satansverehrung oder andere okkulte Themen wie beispielsweise das Heidentum ein Bestandteil der Eigentümlichkeit von Blackmetal und oftmals nur ein ästhetischer Ausdruck oder ein Image aber keine feste Überzeugung. Der radikale Kurs gegen jüdisches Leben in den Liedtexten der NSBM-Bands jedoch bestärkt den Mythos, dass Jüdinnen und Juden zu viel Einfluss haben und die Unterstellung, Juden seien durch ihr Verhalten an ihrer Verfolgung mitschuldig. In diesem Deutungssystem sind nicht die Juden das Opfer der Shoa, sondern Täter gegen „das Volk“ und ihre Vernichtung wird – hinter subkultureller Symbolik verschleiert – als eine Art Notwehrhandlung umgedeutet.

Uns geht es mit diesem Artikel nicht um die Diskreditierung der Blackmetal Szene, sondern um die Demaskierung der Labels, Bands und Veranstalter aus dem Dunstkreis des NSBM. Er richtet sich an die Bands und Besucher, die sich den Veranstaltungen der Faschisten wohlmöglich unbewusst anschließen, denn leider fehlt es dem Großteil der Black-Metal Szene oftmals an ernsthafter Distanzierung gegenüber den neonazistischen Auswüchsen, so dass der Agitation von Rechts der Einlass gewährt wird – in eine überschaubare, aber wachsende Jugendkultur.


Fragen, Kritik und Anregungen zur Korrektur nimmt die Redaktion unter mail@antifa-karlsruhe.org entgegen